01.06.17







Stillen in der Schwangerschaft und Tandemstillen

Du bist schwanger und stillst immer noch? Hat man denn da noch genug Milch? Geht die nicht automatisch weg? Ist denn dann noch genug für das Neugeborene da?

Ja, ja, nein, ja...

Also wie sieht das so aus, mit der Milchmenge und den ganzen Veränderungen während der Schwangerschaft. In der heutigen Zeit können sich Mütter ausreichend und abwechslungsreich ernähren, so dass kein Mangel entstehen muss. Auch kein Mangel bezüglich der Nährstoffe, die das neue Kind im Bauch der Frau beeinträchtigen würde. Das Leben ist immer auch aufs Überleben angewiesen. Das heißt, sollte der Körper hier dennoch ein Mangel, ein Defizit verspüren, dann würde tatsächlich zuerst die Milchmenge reduziert, möglicherweise auch ganz ausbleiben und das „Trinkkind“ würde sich fast wie von selbst abstillen. Zudem kann es sein, dass sich der Geschmack der Milch in der Schwangerschaft so sehr verändert, dass das Kind diesen gar nicht mehr mag und ebenfalls nicht mehr an die Brust mag. Das alles heißt allerdings nicht, dass es ein endgültiges Aus für das Tandemstillen sein muss. Es kann gut sein, dass das Geschwisterkind mit dem Neuankömmling in der Familie ebenfalls wieder Lust auf Brust bekommt.

Ganz nach Mamas Empfinden

Was eine sensible Handhabe erfordert, sind oftmals die empfindlich werdenden Burstwarzen der Schwangeren. Auch hier kann es dazu führen, dass es der werdenden Mutter so weh tut, dass sie ein Stillen in dieser Zeit nicht gut ertragen kann. Natürlich gilt auch hier: Die Orientierung sollte klar vom Empfinden der Mutter ausgehen. Es bringt keinem Kind etwas, wenn eine Mutter sich durch eine Stillprozedur quält, nur um dem Kind etwas Gutes zu tun. Letztendlich wird hierbei eine ganze Bandbreite an Hormonen ausgeschüttet, die alle guten Absichten zunichte machen und möglicherweise im Kind selbst eine unangenehme Mischung von Zerrissenheit entstehen lässt. Vielleicht lässt sich auch ein Kompromiss finden. Allerdings muss dieser von einem klaren inneren Ja der Mutter getragen sein.

Da beim Stillen auch stets eine ordentliche Portion Oxytocin ausgeschüttet wird, fragen sich einige Schwangere, ob die nicht zu Früh- oder Fehlgeburten führen könnte. Natürlich ist Oxytocin wehenfördernd. Allerdings nimmt die Gebärmutter dieses Hormon nicht an, solange der „Geburtsstartschuss“ seitens des Kindes ausbleibt. Ist das Kind bereit geboren zu werden, sollten durch Stillen ausgelöste Wehen kein Problem darstellen, sondern möglicherweise sogar den Geburtsfluss auf ganz natürliche Art und Weise harmonisieren.

Durchatmen und zur Ruhe kommen

Wie auch immer der Weg ist: ein Tandemstillen kann so oder so angestrebt werden. Wie lange dabei das ältere Geschwisterkind an die Brust darf und wie oft, untersteht keiner Regel. So lange es für die Mutter und die Kinder in Ordnung ist, so lange ist es einfach okay. Das miteinander Kuscheln kann hier meist in einem sehr praktischen Rahmen zelebriert werden: durchatmen und zur Ruhe kommen. Mehr sollte in diesen Momenten nicht dran sein. Und in solchen Momenten tanken beide Kinder so viel vom Leben und ihren Bedürfnissen auf, dass mehr auch völlig überflüssig wäre.

Beim Tandemstillen ist es tatsächlich häufig so, dass beide Kinder gleichzeitig an die Brust wollen. Dabei spielen sie gerne gemeinsam mit ihren Händen, streicheln sich und wenn sie schon einige Monate älter sind, wird auch gern gekichert. Jedenfalls soweit, wie das ein voller Mund zulässt. Auch hier reguliert die Natur den Milchfluss so, dass der Neuankömmling stets alle Stoffe bekommt, die er zum Wachsen benötigt.

Du hast weitere Fragen zum Tandemstillen? Dann wende dich vertrauensvoll an eine Stillberaterin in deiner Nähe.

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Text: Navina Salomon/Natalie Häuser